Berlin, 14. Oktober 2026 – Im dritten Quartal 2026 gaben die Seefrachtraten auf der Route Fernost–Nordeuropa nach ihrem Höchststand Anfang Juli deutlich nach und lagen Ende September rund 32 Prozent darunter. Gebremst wurde der Rückgang durch die starke Hafenüberlastung in Asien, die einen erheblichen Teil der verfügbaren Kapazität bindet. Gleichzeitig nahmen Reedereien einzelne Dienste über den Suezkanal wieder auf; die Route um das Kap der Guten Hoffnung bleibt jedoch weiterhin die Regel. In der Luftfracht zeigte sich die Nachfrage dagegen robust, verschob sich aber stärker in Richtung Technologie: Vor allem Halbleiter, KI-Hardware, Server und Rechenzentrumsinfrastruktur trieben das Wachstum, während E-Commerce an Bedeutung verlor. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Marktanalyse der technologiegetriebenen Spedition Forto.
Konjunktur: Energie bleibt Belastungsfaktor
Die Wirtschaft im Euroraum entwickelte sich robuster als erwartet: Das BIP wuchs im zweiten Quartal um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Preisauftrieb blieb jedoch hoch. Die Inflation zog im September auf 3,8 Prozent an; zugleich erhöhte die EZB den Einlagensatz auf 2,50 Prozent. Hinzu kamen hohe Energiepreise: Der Brent-Ölpreis stieg im September zeitweise auf mehr als 108 US-Dollar je Barrel.
Seefracht: Nach früher Hochphase geben die Raten nach
Auf der Route Fernost–Nordeuropa erreichte der von Forto ausgewertete SCFI-Subindex Anfang Juli mit 3.418 US-Dollar pro TEU seinen Quartalshöchststand. Danach sank er Woche für Woche und lag Ende September bei 2.313 US-Dollar – rund 32 Prozent unter dem Spitzenwert. Der Quartalsdurchschnitt blieb mit 2.889 US-Dollar pro TEU dennoch 36 Prozent über dem zweiten Quartal und 72 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dass der Q3-Durchschnitt trotzdem höher lag, liegt am unterschiedlichen Ausgangsniveau: Im zweiten Quartal zogen die Raten erst ab Ende Mai kräftig an, das dritte Quartal begann dagegen bereits auf hohem Niveau.
Der Rückgang der Raten fällt geringer aus als in den vergangenen Jahren, weil die starke Hafenüberlastung in Asien einen erheblichen Teil der verfügbaren Schiffskapazität bindet. Einige Analysten zufolge sind derzeit rund 3 Millionen TEU beziehungsweise etwa 8,5 Prozent der weltweiten Kapazität durch Verzögerungen gebunden. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Pandemie waren es 13,8 Prozent. Gleichzeitig führen Reedereien erste Dienste wieder über das Rote Meer. Rund ein Drittel der geplanten Asien–Europa-Verbindungen soll derzeit durch den Suezkanal laufen. Dabei entfällt der größere Teil jedoch auf die Rückrichtung nach Asien: Dort ist die Passage bei etwas mehr als der Hälfte der Dienste vorgesehen. In Richtung Europa gilt das nur für etwa jeden fünften Dienst nach Nordeuropa und für gut ein Drittel der Verbindungen ins Mittelmeer. Für die besonders stark belasteten Europa-Verkehre bringt die Rückkehr auf die Suez-Route deshalb bislang nur begrenzte Entlastung.
„Viele schauen derzeit auf die Suez-Route, aber der operative Engpass liegt vor allem in den Häfen. Eine derart starke Überlastung haben wir seit Covid nicht mehr gesehen“, sagt Jessy Brughmans, VP Global Trade bei Forto. „Als Faustregel gilt: Eine Woche starker Überlastung kann einen Nachlauf von bis zu einem Monat verursachen. Verlader sollten deshalb mit realistischen Puffern planen und nicht darauf setzen, dass sich die Lage kurzfristig normalisiert.“
Mehr Suez-Verkehre, anhaltende Engpässe in den Häfen
Während Reedereien die Suez-Route schrittweise wieder stärker nutzen, wird die Straße von Hormus im regulären Containerverkehr nach wie vor weitgehend gemieden. Engpässe entstanden zugleich verstärkt in den Häfen: Taifune sorgten in China für Rückstaus, während hohe Terminalauslastung, Arbeitskonflikte und Niedrigwasser die Abläufe in Nordeuropa belasteten. Im Zweimonatszeitraum Juni/Juli lag die Fahrplanzuverlässigkeit auf der Route Asien–Nordeuropa bei 65,0 Prozent. Zwischen den Allianzen gab es allerdings große Unterschiede: Gemini erreichte eine Fahrplanzuverlässigkeit von 99,2 Prozent, Premier Alliance dagegen nur 39,2 Prozent.
Luftfracht: Tech-Nachfrage bleibt wichtiger Wachstumstreiber
In der Luftfracht schloss das dritte Quartal stärker als die Sommermonate vermuten ließen: Im September lag das globale Frachtvolumen sechs Prozent über dem Vorjahresniveau, während die Kapazität um zwei Prozent zunahm. Die globale Spotrate stieg auf durchschnittlich 3,10 US-Dollar pro Kilogramm – zwei Prozent mehr als im August und 27 Prozent mehr als im Vorjahr.
Seit Juli wirkt sich zudem der Wegfall der EU-Zollbefreiung für Kleinsendungen bis 150 Euro auf den Markt aus. Nach Einschätzung von Forto dämpft dies insbesondere auf China–Europa das E-Commerce-Aufkommen und schafft dort mehr Raum für klassische Luftfracht. Mittelfristig dürften E-Commerce-Anbieter ihre Lieferketten jedoch an die neuen Regeln anpassen.
Besonders auf Verbindungen aus Asien zogen die Raten im September wieder an. Auf China–Europa stieg die Spotrate gegenüber August um zehn Prozent auf 4,26 US-Dollar pro Kilogramm. Der bereits im zweiten Quartal erkennbare Trend setzte sich fort: Halbleiter, KI-Hardware, Server und Rechenzentrumsinfrastruktur blieben wichtige Wachstumstreiber. Entsprechend war Frachtraum auf einzelnen Asien-Verbindungen punktuell knapp. Auch im Fashion-Bereich beobachtete Forto weiterhin Verlagerungen zeitkritischer Sendungen von der See- auf die Luftfracht
„Mehr Kapazität im Gesamtmarkt heißt nicht automatisch, dass auf den relevanten Routen zum richtigen Zeitpunkt Platz verfügbar ist“, sagt Christopher Braun, VP Global Operations bei Forto. „Für Black-Friday-Sendungen aus Asien empfehlen wir deshalb, spätestens in Kalenderwoche 46 abzufliegen und zusätzlich 48 bis 72 Stunden für Zoll, Handling und Nachlauf einzuplanen.“
Ausblick: Seefracht gibt nach, Luftfracht zieht selektiv an
Für das vierte Quartal erwartet Forto keinen durchgängigen Rückgang der Seefrachtraten. Rund um die chinesische Nationalfeiertagswoche gaben die Raten saisonal nach, die starke Hafenüberlastung in Asien begrenzt den Abwärtsdruck jedoch. Mit Blick auf das chinesische Neujahrsfest könnten die Raten im weiteren Quartalsverlauf wieder anziehen. Hinzu kommt, dass Reedereien bereits Blank Sailings (ausgesetzte Abfahrten) angekündigt haben und damit Kapazitäten aus dem Markt nehmen können.
In der Luftfracht rechnet Forto zum Jahresende mit punktuell steigender Nachfrage. Black Friday und Weihnachten könnten die Kapazitäten zeitweise verknappen, insbesondere auf China–Europa und anderen technologieintensiven Relationen. Forto erwartet dabei keinen breiten Nachfrageboom: Impulse dürften vor allem aus einzelnen Branchen kommen, weniger vom Konsum insgesamt. Hohe Treibstoffkosten dürften zugleich verhindern, dass die Raten auf stärker umkämpften Verbindungen deutlich nachgeben.
Über die Marktanalyse
Die Forto-Marktanalyse stützt sich auf interne und externe Marktdaten sowie auf Erfahrungen aus dem operativen Geschäft. In die Auswertung fließen unter anderem Frachtraten, Kapazitäten, Fahrplanzuverlässigkeit, Nachfrageentwicklungen und makroökonomische Rahmenbedingungen ein.
Über Forto
Forto ist eine führende, technologiegetriebene Spedition mit Hauptsitz in Berlin. Das Logistikunternehmen bietet Lösungen für globale Lieferketten und unterstützt Geschäftskunden bei der transparenten, effizienten und nachhaltigen Abwicklung internationaler Transporte – von der Buchung über das Tracking bis hin zur Analyse.
Mit FortoLabs betreibt Forto zudem eine Plattform für KI-gestützte SaaS-Lösungen in der Logistik. Die Technologien dahinter wurden ursprünglich für Fortos eigene operative Teams entwickelt und stehen heute als eigenständige Produkte auch anderen Unternehmen der Branche zur Verfügung.
Forto wurde 2016 gegründet und ist heute weltweit mit mehreren eigenen Standorten und einem zuverlässigen, globalen Partnernetz vertreten.
Weitere Informationen: www.forto.com | www.fortolabs.com </strong
Forto Pressekontakt
Renate Härle
Director of Marketing, Forto
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