Nachhaltigkeit ist für jeden Verlader ein zentrales Thema, wobei das Erreichen der eigenen Klimaziele keinesfalls die Logistikabläufe beeinträchtigen sollte. Mit dem neuen SBTi Corporate Net-Zero Standard 2.0 rücken Transportdaten und entsprechende Transformationspläne noch stärker in den Fokus.

Anlässlich des World Sustainability Day haben wir mit Christian Volp und Carmela Filippello aus unserem Nachhaltigkeitsteam gesprochen. In diesem Artikel erläutern sie, wie wir Ihnen bei der präzisen Messung und Reduzierung von Transportemissionen unterstützen, welche Auswirkungen der neue Standard auf Ihre Fracht haben könnte und wie wir als Unternehmen unsere eigenen Ziele konsequent verfolgen.

Gehen wir ins Detail.

Nachhaltige Lösungen für Verlader

  1. Wie lässt sich der Nachhaltigkeitsansatz von Forto zusammenfassen und wie fügt sich dieser in unsere Mission als digitale Spedition ein?

Unser Anspruch ist es, den klimafreundlichen Güterversand so unkompliziert wie das Versenden einer E-Mail zu gestalten. Nachhaltige Transportoptionen sollen skalierbar und für die gesamte Kundschaft zugänglich sein, nicht nur für ausgewählte Unternehmen. Über unsere eigenen Betriebsabläufe hinaus möchten wir die nachhaltige Transformation der Logistikbranche aktiv vorantreiben und eine Vorreiterrolle im Bereich des umweltbewussten Transports einnehmen.

2. Welche konkreten Lösungen bieten wir Verlader an, um Transportemissionen zu messen und effektiv zu senken?

  • Climate Visibility: Die Emissionen werden präzise berechnet, sodass der ökologische Fußabdruck auf Sendungsebene für den Vor-, Haupt- und Nachlauf exakt nachvollziehbar wird. In der Seefracht greifen wir dabei auf hochgranulare Datenpunkte wie AIS-Schiffsverfolgung, schiffsspezifische Emissionsfaktoren und detaillierte Kraftstoffmodelle zurück.
  • Biofuel Light: Bietet eine Emissionsreduzierung von 5% über den gesamten Vor-, Haupt- und Nachlauf und umfasst zusätzlich die Rückgewinnung von einem Kilogramm ozeangebundenem Plastik.
  • Biofuel Max & Blends: Hierbei werden Emissionssenkungen von 25-80% für den Hauptlauf realisiert, wobei der Vor- und Nachlauf optional integriert werden können.
  • Ocean Plastic Prevention: Unsere Kundschaft erhält die Möglichkeit, in ihrem Namen 10 kg ozeangebundenes Plastik rückgewinnen zu lassen und so aktiv zum Schutz der Weltmeere beizutragen. Im Jahr 2025 konnte unser Partner Plastic Fischer insgesamt 18.981 Kilogramm Abfall für Forto und unsere Kundschaft bergen und fachgerecht verarbeiten.
  • Sämtliche Biokraftstoffe gehören der zweiten Generation an, entsprechen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU und sind ISCC-zertifiziert.
  • Alle Emissionsreduzierungen werden durch den Einsatz von Biokraftstoffen im Rahmen des Book-and-Claim-Verfahrens erzielt. Dies bedeutet, dass die Umstellung auf alternative Kraftstoffe auf einem anderen Schiff erfolgt als demjenigen, das die eigentliche Fracht transportiert.
  • Interne Nachhaltigkeit und Unternehmenskultur

Wie wird Nachhaltigkeit bei uns intern gelebt, sowohl im täglichen Bürobetrieb als auch in unserer Unternehmenskultur?

Dies beginnt bereits beim Arbeitsweg und unseren Geschäftsreisen. Wir bezuschussen Tickets für den öffentlichen Nahverkehr inklusive des Deutschlandtickets und bieten Fahrradleasing über JobRad an, was finanzielle Hürden für einen emissionsarmen Pendelverkehr abbaut. Unsere Reiserichtlinie schreibt zudem vor, dass Strecken mit einer Reisezeit von unter drei Stunden mit der Bahn oder dem Firmenwagen anstelle des Flugzeugs zurückgelegt werden müssen.

Auch außerhalb des Büros engagieren wir uns aktiv:

  • World Clean-up Day: Unsere globalen Teams haben weltweit an Aktionen teilgenommen, um ihre jeweiligen Heimatstädte von Müll zu befreien.
  • Buchclub: Alle drei Monate lesen die Kolleginnen und Kollegen gemeinsam ein Buch, das thematisch häufig einen Bezug zur Nachhaltigkeit aufweist, erwerben die Exemplare im lokalen Buchhandel und tauschen sich anschließend intensiv darüber aus.
  • Mitarbeiter-Communities: Initiativen wie Women at Forto und Queerties bieten unserem Team einen geschützten Raum, um sich zu vernetzen, wertvolle Erfahrungen zu teilen und gemeinsam zu wachsen.

Verantwortung und Klimaziele

Wie stellen wir sicher, dass wir unseren Netto-Null-Verpflichtungen und langfristigen Reduktionszielen konsequent gerecht werden?

Für unsere Scope-1- und Scope-2-Ziele sind die zentralen Hebel unsere Strategie zur Elektrifizierung des Fuhrparks sowie die zunehmende Beschaffung von erneuerbarem Strom an sämtlichen Standorten.

Im Scope-3-Bereich setzen wir Biokraftstoffe der zweiten Generation in der See- und Luftfracht (SAF) sowie im Straßengüterverkehr ein, während wir im Schienengüterverkehr auf erneuerbaren Strom vertrauen. Darüber hinaus bereiten wir unser Netzwerk gezielt auf den zukünftigen Einsatz erschwinglicher, erneuerbarer Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO) sowie auf emissionsfreie Lkw vor.

Da Forto als Spedition ohne eigene Flotte agiert, nutzen wir zertifizierte Book-and-Claim-Lieferketten, die dem Prinzip der einen Atmosphäre folgen. Dieser Ansatz ermöglicht es uns, Emissionen direkt an der Quelle zu reduzieren, ohne durch den fehlenden Besitz von Transportmitteln eingeschränkt zu sein.

Solange die offizielle Anerkennung von Book-and-Claim durch die SBTi noch ausstand, haben wir unsere Bruttoemissionen im Hinblick auf unsere Ziele ausgewiesen, wobei die durch Biokraftstoffe erzielten Reduzierungen ausgenommen wurden. Gemäß dem SBTi Corporate Net-Zero Standard 2.0 werden Book-and-Claim- sowie Massenbilanz-Mechanismen nun formell als zulässige Nachweisverfahren für Scope-3-Transporte anerkannt. Dadurch können diese verifizierten Reduzierungen direkt auf validierte Netto-Null-Ziele angerechnet werden.

Wir überwachen unsere Emissionswerte sowie die Zielvorgaben kontinuierlich und schaffen durch die jährliche Veröffentlichung unseres Nachhaltigkeitsberichts ein Höchstmaß an Transparenz und Verbindlichkeit.

Zukunftsausblick für Logistikteams

Da der SBTi Corporate Net-Zero Standard 2.0 einen noch stärkeren Fokus auf Scope-3-Transportdaten und Transformationspläne legt, stellt sich die Frage, was sollten Verlader in naher Zukunft beachten?

  • Rechnen Sie damit, dass Datenqualität an Bedeutung gewinnen wird. Es ist absehbar, dass Warenempfänger künftig von ihren Speditionspartnern wesentlich detailliertere und lückenlos nachvollziehbare Emissionsdaten einfordern werden.
  • Vorreiter können die Marktentwicklung entscheidend prägen. Der Standard erkennt Marktinstrumente an, die auf unterschiedlichen Chain-of-Custody-Modellen basieren, wie beispielsweise Massenbilanzierung und Book-and-Claim. Gleichzeitig wird jedoch vorausgesetzt, dass sich die Maßnahmen auf dieselbe Art von Aktivität sowie auf einen relevanten geografischen oder systemischen Kontext beziehen. Anders ausgedrückt: Die Nähe einer Maßnahme zu den eigenen operativen Abläufen bleibt weiterhin ein entscheidender Faktor.
  • Bereiten Sie sich auf den Transformationsplan vor. Dieser Plan muss konkrete Maßnahmen, Zeitpläne, Annahmen und Abhängigkeiten umfassen und von der Geschäftsführung genehmigt werden. Verlader sollten klar identifizieren, welche Transporthebel sie bis wann realistischerweise in Bewegung setzen können, beispielsweise durch eine Verkehrsverlagerung, die Wahl der Frachtführer, optimierte
  • Routenplanung, Konsolidierung oder den Einsatz kohlenstoffärmerer Kraftstoffoptionen. Ein Speditionspartner sollte in der Lage sein, diese Hebel partnerschaftlich zu unterstützen und exakt zu quantifizieren.
  • Book-and-Claim ist keine Abkürzung. Das Verfahren ist notwendig, um die Dekarbonisierung zu beschleunigen, doch die SBTi gibt eine klare Hierarchie vor: Maßnahmen auf Aktivitätsebene haben Vorrang, gefolgt von der Aktivitätenpool- und schließlich der Sektorebene. Book-and-Claim stellt dabei keine eigene Ebene dar, sondern fungiert als Marktinstrument, das Maßnahmen auf den untergeordneten Ebenen unterstützt, ohne die direkten Reduzierungen an der Quelle ersetzen zu können.
  • Zertifikate werden separat ausgewiesen. Sie sind nicht Teil des physischen Inventars, und die daraus abgeleiteten Ansprüche gelten als systemischer Beitrag und nicht als direkte Reduzierung der vom Unternehmen selbst ausgewiesenen Emissionen.

Gemeinsam Nachhaltigkeit vorantreiben

Im Zuge der Weiterentwicklung globaler Lieferketten wird der Übergang zu einer nachhaltigen Logistik zu einer klaren operativen Priorität. Die Umsetzung neuer Standards erfordert präzises Datenmaterial, umsetzbare Transformationspläne und die richtigen strategischen Partnerschaften.

Sind Sie bereit, den nächsten Schritt zur Dekarbonisierung Ihrer Lieferkette zu gehen?

Kontaktieren Sie uns, um herauszufinden, wie Forto Ihre Klimaziele unterstützen und Ihre Logistik optimal für die Zukunft aufstellen kann.