Die Golden Week markiert die Gründung der Volksrepublik China und dauert vom 1. bis zum 7. Oktober.
Während dieser Woche ruht die Produktion in den Industriegebieten des Landes, was die gesamten Logistiknetzwerke deutlich verlangsamt. Hafenterminals arbeiten mit reduzierter Besetzung, die Zollabwicklung verzögert sich und verfügbare Lkw-Fahrer innerhalb Chinas sind kaum zu finden.
Wer Waren aus China bezieht oder über das Land versendet, sollte frühzeitig planen, um Frachten pünktlich ans Ziel zu bringen. In diesem Artikel beleuchten wir, wie sich Logistikprozesse rund um China’s Golden Week optimal steuern lassen.
Was ist Golden Week?
China’s Golden Week ist ein einwöchiger Nationalfeiertag, der jährlich am 1. Oktober beginnt und offiziell als Nationalfeiertag (Guóqìng Jié) bezeichnet wird. Er wurde 1949 anlässlich der Gründung der Volksrepublik China ins Leben gerufen, um den inländischen Tourismus zu fördern und Beschäftigten Zeit für den Besuch ihrer oft weit entfernt lebenden Familien zu geben.
Im Jahr 2025 wurden während der Feiertage mehr als 889 Millionen Inlandsreisen verzeichnet. Obwohl der offizielle Feiertag nur eine Woche dauert, sind die operationalen Auswirkungen auf globale Lieferketten über fast zwei Monate hinweg spürbar, von August bis November. Das zeigt sich vor allem in folgenden Bereichen:
- Werkschließungen: Fertigungsbetriebe im gesamten Land legen die Produktion still, wodurch der Warenausstoß stoppt und sich die Lieferantenübergaben in allen wichtigen Industrieregionen verzögern.
- Langsamere Hafen- und Zollabwicklung: Wichtige Seehäfen bleiben zwar geöffnet, arbeiten jedoch mit minimaler Besetzung. Regionale Zollbehörden arbeiten langsamer, was zu Verzögerungen beim Versand und zu Bearbeitungsstaus führt.
- Zeitlich versetzte Rückkehr der Arbeitskräfte: Da viele Fabrikarbeiter in ihre Heimatprovinzen reisen, erfolgt die Rückkehr in die Industriezentren oft schrittweise. Viele Betriebe benötigen nach dem 8. Oktober mehrere Wochen, um wieder 100% der Kapazitäten zu erreichen.
Bitte beachten: Die Auswirkungen der Golden Week hängen stark von der jeweiligen Handelsroute sowie davon ab, ob es sich um eine Head- oder Backhaul-Verbindung handelt. Auf der Handelsroute Asien–Europa markiert der Zeitraum von Ende September bis Oktober bereits den Beginn der herbstlichen Nebensaison und stellt keine klassische Hochsaison dar.
Zeitplan der Golden Week
Die operationalen Auswirkungen der Golden Week verlaufen im dritten und vierten Quartal in drei klaren Phasen. Wer seine Transporte an diesen Phasen ausrichtet, vermeidet sowohl den Ansturm vor den Feiertagen als auch die unvermeidlichen Verzögerungen im Anschluss.
Phase 1: Mitte August bis September
- Für die Handelsroute Asien–Europa markiert diese Phase das traditionelle Ende der Sommer-Peaksaison.
- Verfrachter schließen ihre Bestellungen ab, um die Feiertagsware auf den Seeweg zu bringen, bevor die Fabriktore schließen.
- Bis Ende September geht die Exportnachfrage gewöhnlich von selbst zurück.
Phase 2: Golden Week: 1. bis 7. Oktober
- Die Fertigung ruht landesweit in allen großen chinesischen Industriezentren.
- Zollbehörden und Hafenterminals arbeiten mit minimaler Besetzung.
- Der Landtransport kommt weitgehend zum Stillstand, woraus sich Bearbeitungsrückstände nach den Feiertagen aufstauen.
Phase 3: Ab Mitte Oktober
- Fabriken steigern ihre Produktion schrittweise wieder auf das volle Niveau.
- Da Reedereien während der Feiertage Fahrten streichen, staut sich verzögerte Fracht in den Abfahrtshäfen.
- Wenn die Schiffe schließlich auslaufen, trifft diese aufgestaute Fracht in konzentrierten Wellen in den Zielhäfen ein, was selbst in Zeiten schwächerer Nachfrage zu vorübergehenden Engpässen führt.
Warum Bestände für Black Friday, Cyber Monday und das Weihnachtsgeschäft bereits im August verschifft werden müssen
Waren für Black Friday, Cyber Monday und das Weihnachtsgeschäft müssen bis Ende Oktober in den Ziellagern eintreffen, um rechtzeitig für den Verkauf aufbereitet zu werden. Bei Transitzeiten von etwa 30 bis 40 Tagen müssen Sendungen bereits im August versandt werden, um die Zielhäfen Ende September zu erreichen.
Abfahrten im September treffen meist erst Mitte bis Ende November ein, da Frachten häufig von Hafenengpässen vor den Feiertagen sowie vom Stillstand während der Golden Week betroffen sind. Der Versand im August bietet somit die größte Sicherheit, dass die Waren rechtzeitig zur umsatzstarken Zeit des Q4 im Regal stehen.
Golden Week: Operationale Auswirkungen auf See- und Luftfracht
Der Stillstand während der Golden Week zwingt Verfrachter dazu, Kapazitätsgrenzen über alle Verkehrsträger hinweg vorausschauend zu steuern. Die operationalen Auswirkungen und Budgetrisiken unterscheiden sich dabei zwischen See- und Luftfracht.
Seefracht
Auf der Handelsroute Asien–Europa fällt die Golden Week mit einem prognostizierten Nachfragerückgang nach dem Ende der sommerlichen Hochsaison zusammen. Um diesen Rückgang des Warenausstoßes auszugleichen und ein Sinken der Frachtraten auf dem Spotmarkt zu verhindern, streichen Seefracht-Carrier geplante Abfahrten (Blank Sailings) und verknappen so künstlich die Kapazitäten.
Zwar sichert dieses Vorgehen das Preisniveau der Reedereien, führt jedoch bei europäischen Importeuren zu erheblichen Störungen der Fahrpläne:
- Reduzierte Abfahrtsmöglichkeiten: Aufeinanderfolgende Blank Sailings führen zu weniger wöchentlichen Abfahrten, was die Sicherung bestimmter Versandtermine erschwert.
- Verzögerungen im Zeitplan: Wird eine Abfahrt gestrichen, verschiebt sich die Fracht auf die nächste verfügbare Verbindung, was die ohnehin lange Transitzeit häufig um ein bis zwei Wochen verlängert.
- Auslassen von Häfen: Um Fahrpläne einzuhalten, lassen Carrier mitunter einzelne Hafenanläufe aus. Container werden dann an alternativen Drehkreuzen entladen, was die Auslieferung an die europäischen Zielhäfen verzögert.
Luftfracht
- Wenn Kapazitäten auf der Seefracht ausgeschöpft sind oder Frachten verschoben werden, weichen dringende Sendungen auf die Luftfracht aus, um Fristen im Q4 einzuhalten. Die Luftfracht dient dann als Ausweichlösung, die von vielen Akteuren gleichzeitig genutzt wird.
- Für eine kosteneffiziente Kapazitätsplanung empfiehlt sich die Buchung mindestens zwei Wochen vor Beginn der Golden Week.
- Da das reguläre Exportvolumen aus dem Asien-Pazifik-Raum bereits einen Großteil der regulären Kapazitäten bindet, erschwert die zusätzlich verlagerte Seefracht die Laderaumbuchung deutlic.
- Zusammen mit den ohnehin hohen Treibstoffkosten führt diese verknappte Kapazität voraussichtlich zu einem weiteren Anstieg der Luftfrachtraten. Zudem können Fluggesellschaften Spitzenzeitenzuschläge (Peak Season Surcharges, PSS) einführen oder erhöhen, da sich das Angebot verengt und die Nachfrage unmittelbar vor und nach der Golden Week ihren Höchststand erreicht.
- Begrenzte Kapazitäten und eine Welle kurzfristiger Buchungen können die Frachtraten in der Luftfracht bis Ende September weiter nach oben treiben.
- Es wird daher empfohlen, Luftfracht frühzeitig zu buchen und einen ausreichenden finanziellen Spielraum für mögliche Raten- und Zuschlagserhöhungen einzuplanen.
Peak Season Surcharges rund um die Golden Week
Transportunternehmen können sowohl in der See- als auch in der Luftfracht Hochsaisonzuschläge (PSS) erheben, sobald die Nachfrage vor den Feiertagen steigt. Diese Zusatzkosten sollten frühzeitig in die Kalkulation einfließen.
- Zuschläge richten sich nach dem tatsächlichen Abfahrtsdatum, nicht nach dem Buchungsdatum. Carrier können Zuschläge vor dem Auslaufen der Fracht einführen oder anheben und behalten sich entsprechende Anpassungen vor. Eine frühzeitige Buchung sichert zwar den Laderaum, fixiert jedoch nicht den Zuschlag, weshalb die Endkosten über dem ursprünglichen Angebot liegen können.
- Der Zeitpunkt einer Luftfrachtsendung ist entscheidend. Ein späterer Flug, der dennoch pünktlich eintrifft, kann günstiger sein als eine Buchung kurz vor den Feiertagen, wenn die Raten ihren Höchststand erreichen. Der Vergleich mehrerer Abflugdaten lohnt sich daher im Vergleich zum automatischen Wählen des frühesten Termins.
- Zwischenlagerung dient als wirksamer Puffer. Verschiebungen von Containern auf spätere Schiffe kommen rund um die Golden Week häufig vor. Eine Zwischenlagerung der Bestände in der Nähe des Zielortes schafft zeitlichen Spielraum, um solche Verzögerungen aufzufangen, ohne Aufträge zu gefährden.
- Auch der Vorlauf auf der Straße verteuert sich. Die Transportkosten auf der ersten Meile innerhalb Chinas steigen Ende September aufgrund der hohen Nachfrage nach Fahrern an, was bei den Gesamtkosten berücksichtigt werden sollte.
- Frühzeitiges Buchen bleibt der Schlüssel zum Erfolg. Über alle Verkehrsträger hinweg gilt, dass eine rechtzeitige Planung mehr Auswahl und bessere Konditionen ermöglicht.
Zudem können Demurrage- und Detention-Gebühren die Gesamtkosten belasten. Wenn Fracht den Hafen erreicht, aber vor der Schließung der Behörden nicht verzollt werden kann, verbleibt sie im Terminal. Die Vollständigkeit aller Dokumente vor den Feiertagen schützt am besten vor diesen Mehrkosten.
Eine frühzeitige Einplanung dieser Kosten schützt die Marge nach den Feiertagen.
Golden-Week-Checkliste für Supply-Chain-Teams
Ein proaktives Vorlaufzeit-Management sichert den Warenfluss und schützt die Margen während der feiertagsbedingten Unterbrechungen.
Inventar- und SKU-Segmentierung
- SKUs nach Umsatzrelevanz kategorisieren: Margenstarke und zeitkritische Artikel sollten für direkte oder Premium-Routen priorisiert werden.
- Nachschubpläne anpassen: Routinierte Lagerbestände frühzeitig auf Sommerabfahrten verlegen oder den Versand auf die Zeit ab Mitte Oktober terminieren.
- Lieferanten-Meilensteine absichern: Fertigstellungstermine der Fracht mit Herstellern bis Anfang August schriftlich vereinbaren. Damit ist sichergestellt, dass Produktion und Qualitätsprüfungen vor dem 25. September abgeschlossen sind und ein Puffer für den Vorlauf bleibt.
Kapazitäts- und Routenmanagement
- Vorlaufzeiten bei der Buchung einhalten: Seefracht-Kapazitäten 4 bis 6 Wochen vor dem 1. Oktober sichern. Luftfracht mindestens 10 bis 14 Tage im Voraus buchen.
- Abfahrtshäfen diversifizieren: Frachtvolumen auf sekundäre Häfen verteilen, um lokale Engpässe an Hauptdrehkreuzen wie Shanghai, Ningbo oder Shenzhen zu umgehen.
- Transporte auf der ersten Meile sichern: Regionale Speditionen und Lkw-Kapazitäten buchen, bevor die Verfügbarkeit von Fahrern Ende September sinkt.
- Vollcontainerladung (FCL) bevorzugen: Nach Möglichkeit FCL nutzen, um Bearbeitungen im Abfahrtshafen zu vermeiden und das Risiko von Frachtverschiebungen zu senken. Less than Container Load (LCL) sollte kleineren, zeitkritischen Sendungen vorbehalten bleiben.
Compliance und Dokumentation
- Dokumente frühzeitig fertigstellen: Handelsrechnungen, Packlisten und HS-Code-Klassifizierungen vor der letzten Septemberwoche abschließen.
- Importfracht vor dem 30. September verzollen: Zollanträge und Abgabenzahlungen abwickeln, bevor die Zollbehörden auf Feiertagsbesetzung umstellen.
Erholung nach den Feiertagen
- Transitzeiten abfedern: Zusätzliche Transittstage in die nachgelagerten Lieferkettenabläufe einplanen, um Hafenengpässe Mitte Oktober aufzufangen.
- Personalkapazitäten am Zielort anpassen: Besetzung in den Logistikzentren für Ende Oktober und November flexibel ausrichten, um gebündelte Ankunftswellen effizient abzuwickeln.
Golden Week mit Forto navigieren
Das Steuern von Lieferketten-Volatilitäten rund um die Golden Week erfordert Transparenz im gesamten Netzwerk in Echtzeit sowie eine vorausschauende Buchungssteuerung. Die digitale Plattform Ship von Forto ermöglicht es Logistikteams, Frachten zu überwachen, alternative Routen für See- und Luftfracht zu nutzen und eine durchgängige Sendungsverfolgung sicherzustellen.
Mit eigenen Teams vor Ort in China unterstützt Forto Verfrachter dabei, Kapazitäten frühzeitig zu sichern und Risiken während der feiertagsbedingten Spitzenzeiten zu minimieren.
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